Pink & Green Adventskalender – 23. Dezember: Heimkehren von Yaa Gyasi

[Anzeige] Ihr habt es wahrscheinlich schon mitbekommen: Ich liebe schöne Bücher. Auch wenn ich der Redewendung „Don’t judge a book by its cover“ prinzipiell beipflichten würde – ich habe schon großartige Geschichten in weniger großartigen Umschlägen gelesen -, mag ich am liebsten in Leinen gebundene Hardcoverausgaben, die sich optisch absetzen. Yup, sehr spezifisch. Beim Blick auf die Bestsellerlisten oder in die Buchhandelsregale ist es doch auffällig, wie stark sich viele Cover ähneln. Klar, oft entscheiden nur ein paar Sekunden darüber, ob ich ein Buch in die Hand nehme oder nicht. Und bei ca. 90.000 Neuerscheinungen im Jahr ist der Kampf um den Platz auf dem Büchertisch sicherlich auch berechtigt. Da müssen die Kund*innen sofort erkennen, ob vor ihnen ein Liebesroman, ein Krimi oder ein Ratgeber liegt. Trotzdem würde ich mir hin und wieder wünschen, dass man Themen neu denkt und auch mal mit den gängigen Sehgewohnheiten und Marktkonventionen bricht. Ich gebe es zu: Die schiere Wucht an Buchtiteln hat bei mir dafür gesorgt, nur noch auf kuratierte Angebote oder persönliche Empfehlungen zurückzugreifen. Und so bin ich auch Anfang des Jahres auf Yaa Gyasis Roman „Heimkehren“ gestoßen, den ich im Programm der Büchergilde Gutenberg entdeckt habe.

Besondere Bücher

Die Büchergilde ist eine 1924 gegründete Buchgemeinschaft, die vier Mal im Jahr ein sorgfältig ausgewähltes Programm mit je ca. 20 neuen Buchtiteln für ihre Mitglieder*innen zusammenstellt. Sprich: Aus allen Titeln, die veröffentlicht werden oder wurden, wählt die Büchergilde Lesenswertes aus. Das sind neben aktuellen Neuerscheinungen (deutschsprachig oder in Übersetzungen) auch Klassiker sowie Sach- und Kinderbücher. Das Besondere: Die Büchergilde pflegt dabei die Tradition der Buchillustration und arbeitet eng mit Künstler*innen, Typograf*innen und Buchgestalter*innen zusammen. An jedem Umschlag sieht man wie Text und Buchform abseits von Altbewährtem neu gedacht und Grenzen ausgetestet werden. Wie anders das aussehen kann, erkennt man etwa an der aufwändig illustrierten Neuausgabe von Christopher Isherwoods Zwanzigerjahre-Roman „Leb wohl, Berlin“. Und ja, zugegeben, instagramable ist das Ganze auch noch. Und richtig genial: Bei einigen Büchern, wie bei Roger Willemsens „Wer wir waren“, wird der Umschlag aus Restmaterialien hergestellt, z.B. mit Leinen aus Restbeständen oder mit unperfekten Leinenresten, die leichte Farbschwankungen oder Webfehler aufweisen. Das lässt mein Upcycling-Herz gleich höher schlagen!
Gut zu wissen: Die Ausgaben der Büchergilde erhaltet ihr nur als Mitglieder. Die kostenlose Mitgliedschaft könnt ihr online abschließen – und so dann jedes Quartal ein Buch eurer Wahl über den Online-Shop oder in einer von 90 Partnerbuchhandlungen kaufen. Außerdem erhaltet ihr alle drei Monate das Büchergilde-Magazin, das u.a. spannenee Einblicke hinter die (Gestaltungs)-Kulissen gewährt und in dem Blogger*innen Neuerscheinungen besprechen (ich darf mich auch zu dem Kreis zählen).

„[…] [I]n America, both the dream and the nightmare can be true all at once.“

Yaa Gyasi: „Why the next four years will be a test for all of us“. Erschienen in The Guardian am 20.01.2017.

Eines meiner Lieblingsbücher dieses Jahr – von innen und außen – ist Yaa Gyasis Debütroman „Heimkehren“, eine afrikanisch-amerikanische Familiensaga, die verdeutlicht, wie tief Alltagsrassismus in der Geschichte der Sklaverei verwurzelt ist. Die Autorin selbst ist in Ghana geboren und lebte dort bis zu ihrem 2. Lebensjahr, als die Eltern in den 90er-Jahren in die USA auswanderten. 2009 besuchte Yaa Gyasi das Cape Coast Castle in Ghana, um ihre eigene Familiengeschichte besser zu verstehen. Die Geschichte der einstigen Festung ließ sie nicht mehr los: Hier wurden zu Zeiten des Sklavenhandels, wie in vielen anderen Festungen entlang der westafrikanischen Küste, monatelang Einheimische festgehalten, um sie anschließend als Sklaven zu verschiffen – die meisten von ihnen in die USA. Ein Land, so Gyasi, in dem Traum und Albtraum nah beieinanderliegen und der Rassismus nie überwunden wurde, sondern nach dem Wahlsieg von Donald Trump in anderer Gestalt zurückkehrte. Das Cape Coast Castle wurde schließlich zum Ausgangsschauplatz für ihren mehrfach ausgezeichneten Roman „Heimkehren“.

Gewalt und Rassismus als ein von Generation zu Generation weitergereichtes Trauma

Yaa Gyasi verfolgt in ihrem Roman über acht Generationen die Auswirkungen von Sklaverei und Kolonialismus vom 18. Jahrhundert in Ghana bis in die 2000er-Jahre in Kalifornien. Den Erzählauftakt der multiperspektivisch angelegten Geschichte bilden zwei Frauen: Effia und Esi sind Halbschwestern, die in unterschiedlichen Stämmen aufwachsen und nichts voneinander wissen. Während Effias Stamm vom Sklavenhandel mit den Briten lebt und sie mit einem im Cape Coast Castle stationierten weißen britischen General zwangsverheiratet wird, wird Esi zusammen mit unzähligen anderen geraubten Frauen im Kerker von Cape Coast Castle festgehalten, bevor sie als Sklavin nach Amerika verschifft wird.
In den nachfolgenden Kapiteln führt Gyasi ihre Leser*nnen mühelos durch eine über 200 Jahre zurückreichende Familiengeschichte. Besonders spannend ist, wie unterschiedlich sich jede Figur mit ihrer Herkunft auseinandersetzt und damit, was Schwarzsein innerhalb ihres gesellschaftlichen Systems bedeutet. Dabei zeigt Gyasi, wie Identität nicht nur durch Abstammung, sondern auch durch Lebensumstände und Orte geprägt werden kann. Denn die Figuren erleben Gewalt und Rassismus als ein von Generation zu Generation weitergereichtes Trauma: von den Kerkern der Goldküste in Westafrika, über die Baumwollplantagen im amerikanischen Georgia, den Kohlewerken Alabamas und Drogensümpfen Harlems bis hin ins liberale Kalifornien. Manche von ihnen sind Geschichtslehrer, andere Baumwollpflücker, Bergbauarbeiter oder Gewerkschaftsführer – und alle von ihnen Sklaven eines ausbeuterischen Systems und ihrer eigenen Vergangenheit.

In Zusammenarbeit mit der Büchergilde Gutenberg verlose ich 1 Buchgemeinschaftsausgabe von „Heimkehren“. Wenn ihr das Buch gewinnen möchtet, hier die Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel:

1. Hinterlasst unter diesem Artikel und/oder auf Instagram und/oder auf Facebook einen Kommentar. Dabei würde mich interessieren, was euer persönliches Lieblingsbuchcover ist. Wenn ihr auf dem Blog kommentiert, bitte hinterlasst eine gültige E-Mail-Adresse, damit ich euch benachrichtigen kann, solltet ihr gewinnen.

2. Folgt Pink & Green auf Instagram und/oder Facebook. Wenn ihr nicht auf Social Media unterwegs seid, freue ich mich über euren regelmäßigen Besuch auf meinem Blog.

3. Beachtet die Gewinnspielregeln.

4. Ich wünsche euch schöne Festtage mit vielen Lesestunden!

Das Gewinnspiel endet am 31. Dezember um 23:59 Uhr.

In Zusammenarbeit mit der Büchergilde Gutenberg

Copyright Fotos 1,2,4,5: Melanie Hauke für Pink & Green
Copyright Foto 3: Büchergilde Gutenberg

P.S. Danke für eure wunderschönen Kommentare zum Thema Kreativität hier auf dem Blog. Das Verlosungsexemplar von BIG MAGIC geht an Isabella – ganz viele magische Momente damit!

5 Gedanken zu „Pink & Green Adventskalender – 23. Dezember: Heimkehren von Yaa Gyasi“

  1. Hallo,
    von dem Buch habe ich schon gehört und es steht weit oben auf meiner Leseliste!
    Ich habe eine Schmuckausgabe von ‚Die Zwerge‘ von Markus Heitz, die ein besonders schönes Cover hat!
    Viele Grüße und schöne Feiertage,
    die Alex

  2. Die Büchergilde hat wirklich so wunderschön gestaltete Bücher. Das sind die schönsten schätze in meinem Bücherregal.
    Ich mag aber auch sehr die Illustrationen von Walter Moers, z. B. das Cover von „Die Stadt der träumenden Bücher“
    Ich folge dir via Instagram als marinamaide
    Hab ein wunderschönes Weihnachtsfest
    Marina

  3. Das Buch klingt total interessant, genau nach meinem Geschmack. 🙂

    Und zu deiner Frage, es gibt es viele, tolle Buchcover. Ganz besonders gut gefallen mir u.a. die Cover von „Die Stadt der Träumenden Bücher“, „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“, „Horcynus Orca“ und „Nach Feirabend“.

    Ich folge dir als Fairfashionblog.de auf Instagram.

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