Berlin Fashion Week Herbst/Winter 17/18: Greenshowroom und Ethical Fashion Show Berlin Part 1

Gut zwei Wochen ist es nun wieder her, dass ich über die grünen Modemessen gestreift bin, um zu schauen, was die faire Modewelt im Herbst/Winter 17/18 für uns bereithält. Über 2000 Bilder hat Melanie für Pink & Green geschossen. Während ich die Fotos sichtete, kam mir wieder einmal der Gedanke über die Sinnhaftig- und Sinnlosigkeit von Messeberichten abseits von Social Media. Abgesehen davon, dass es schwer ist, im Messelicht schöne Fotos zu machen, die den Stücken gerecht werden, schauen wir uns hier immerhin Kollektionen an, die es frühestens in einem halben Jahr in den Läden gibt und uns zwei Saisons voraus sind. Wer möchte im Winter schon wieder an den nächsten Winter denken (außer Einkäufer natürlich)? Welchen Mehrwert hat so ein Messe-Nachklapp also für euch Leser? Für mich persönlich ist die Fashion Week, und damit meine ich nicht die Modenschauen, sondern die Messen, ein absolutes Muss. Hier treffe ich zwei Mal im Jahr die Macher hinter den Marken, lasse mir die Kollektionen erklären und habe die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die Modewoche ist für meine Arbeit unablässig. Diese offline-Begegnungen beflügeln mich jedes Mal und tragen mich quasi in die nächste Saison. Deshalb habe ich mich auch dieses Mal entschieden, euch auf meinen Messerundgang mitzunehmen. Und da es doch einige Highlights gab, gibt es dieses Mal noch eine extra Runde. Hier ist also Teil 1 meiner Favoriten vom Greenshowroom und der Ethical Fashion Show Berlin.

Steffi und Julia von fremdformat haben neben ihren Signature-Stücken auch neue Kostbarkeiten mit auf die Messe gebracht. In limitierter Auflage haben die Supergirls silberne Armreifen aus recyceltem Edelstahl gefertigt. Da die silbernen Reifen aus ein und demselben Metallblech geschnitten werden, passen sie sogar ineinander. Erweitert wird das fremdformat-Repertoire außerdem noch durch Messing- und Kupferbangles. Und um ein Eingangsargument gleich mal zu entkräftigen: Die neuen Schmuckstücke sind ab sofort im Online-Shop erhältlich, so dass der nächsten arm party nichts mehr im Weg steht.

Im Greenshowroom freue ich mich jedes Mal auf Elsien Gringhuis. Das niederländische Label führt Kunst und Mode auf einzigartige Weise zusammen und erinnert mich immer wieder daran, warum ich Mode liebe. Auch dieses Mal war der Blick auf das neue Elsien Gringhuis-Kapitel ein Wow-Moment. Für die Blendscapes-Kollektion wurden Naturaufnahmen von der niederländischen Insel Schiermonnikoog gemacht, die dann digital auf die Kleider gedruckt wurden, die dann wiederum vor der Original-Kulisse geshootet wurden, so dass alles miteinander eins wird. Diesen konzeptuellen und preislich höher angesetzten Teilen mischt Elsien Gringhuis auch Casual Wear bei, darunter Sweater und Jacken in dunklen Blautönen, Schwarz, Off-White und Orange. Ein weiterer Eyecatcher ist ein Tragebeutel aus Pinatex, also Ananasblättern, der in der Haptik an Leder erinnert. Alle Stücke werden erst bei Bestellung im eigenen Studio angefertigt und sind solange erhältlich, bis das jeweilige Material nicht mehr lieferbar ist. Somit entzieht sich das Label dem branchenüblichen Kollektionsrythmus.

Am britischen Label Cossac gefällt mir besonders der minimalistische Look mit einem Hauch Retro-Chic sowie der saisonunabhängige Ansatz. Mein absolutes Lieblingsteil aus der HW 17/18-Kollektion ist dieser cremefarbene Body aus Tencel mit vorne eingesetztem Reißverschluss, coolem Rückenausschnitt und Knöpfen zwecks Funktionalität (so wichtig…trust me!). Außerdem erwarten uns Kleider mit geschlitzten Ärmeln, deren Wirkung sich leider nur getragen entfacht, weshalb es davon leider kein Foto für euch gibt.

Das katalanische Label CUS (auf Deutsch: nähen) bezieht 80% der Stoffe aus Europa, den Rest aus Pakistan. Die Produktion findet in Spanien statt. Absolutes Materialhighlight waren für mich die Stücke aus Tencel in Metallik-Optik. Die Zweitlinie CUS vida steht für Casual Wear, wie das schwarze kurzärmlige Kleid mit halbem Stehkragen aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle. Die gesamte CUS vida-Kollektion wird von sozial und wirtschaftlich benachteiligten Frauen im spanischen Alicante gefertigt – ganz getreu dem Label-Claim „Crafted with Conscience“.

Wenn man sich meine vergangenen Highlights vom Kölner Label Lanius ansieht, könnte man meinen, Lanius produziert nur Jacken und Mäntel. Dem ist natürlich nicht so. Mir persönlich gefallen die Jacken einfach am besten. Und das war – Breaking News – auch dieses Mal so. Zu meinen Favoriten zählen (von oben nach unten) die Outdoor-Jacke aus recyceltem Polyester, Polyurethan und Baumwolle, der blaue Baumwoll-Blouson in Kord-Samt-Optik mit Reißverschluss und die schwarze Jacke mit Rhabarberledereinsatz von deepmello und kupferfarbenem Reißverschluss (wobei mir Ananasleder noch besser gefallen hätte). Ebenfalls newsworthy: Für die Herbst/Winter 17/18-Kollektion hat sich Lanius mit dem Strumpfhosenlabel Kunert zusammengetan und für die Linie KUNERT BLUE Strumpfhosen aus recycelten Materialien in sechs verschiedenen Farben entworfen. Die Strumpfhosen sind am dem 21.07.2017 im Handel erhältlich und mit jedem Kauf werden 0,50 Cent für den Meeresschutz gespendet. Ich durfte die Lanius x Kunert-Strumpfhose bereits testen und bin begeistert von der Qualität.

Nachdem einer meiner liebsten Neuentdeckungen in der letzten Saison Jungle Folk war, wollte ich unbedingt sehen, wie sich das Schweizer Label weiterentwickelt hat. Mit der Drift-Kollektion setzt Designerin Pauline Treis weiterhin auf trans-saisonale Stücke in klarer Design- und Formsprache. Neben lässigen Jumpsuits im Kimono-Stil, besticht Jungle Folk mit locker geschnittenen High-Waist-Hosen und Blusen mit versteckter Knopfleiste und separater Schleife. Produziert wird in Handwerksgemeinschaften in Bosnien und Peru. Alles traumhaft schön und hoffentlich auch bald in deutschen Läden zu finden.

Als ich vor ein paar Wochen auf instagram die ersten Lookbook-Bilder der Jan ’n June-Kollektion gesehen habe, dachte ich nur „Bitte nicht schon wieder so eine ‚einmal-bitte-alles-Kollektion’…!“ Passenderweise hört der neueste Streich von Anna und Jula auf den Namen à point. Auf den Punkt.  Neben Blau, Sand, Grau und Schwarz kommt dieses Mal auch Pink zum Einsatz. Yup, das auch noch. In der Kollektion treffen fließende Materialien auf feste Stoffe, die sich ganz einfach untereinander kombinieren lassen und tolle Silhouetten hervorbringen. Punkt.

Ich hoffe, euch hat der Rundgang Freude bereitet. Schreibt mir gerne, wie ihr Berichte von der Fashion Week findet.

5 Gedanken zu „Berlin Fashion Week Herbst/Winter 17/18: Greenshowroom und Ethical Fashion Show Berlin Part 1“

  1. Schöner Beitrag! Zu CUS und Junglefolk habe ich es nicht mehr geschafft und freue mich hier mehr drüber zu erfahren 🙂 Highlight in meiner Recap auf dem Blog war definitiv Sleeping Gypsy!

    1. Danke, liebe Julia. Mir geht es mit Sleeping Gypsy ähnlich – danke für deinen Recap! Und das nächste Mal finden wir hoffentlich auch Zeit, uns auszutauschen. Ganz liebe Grüße von Nina

  2. So eine schöne Zusammenfassung – Fremdformat habe ich zum Beispiel total Übersehen, da ist ja inzwischen fast unmöglich, bei allen tollen Labels halt zu machen… Danke also für den Wink mit dem Zaunpfahl! 🙂 <3

    1. Danke für die lieben Worte, Anna. Bin ja immer wieder am Zweifeln, ob diese Messeberichte sinnvoll sind. Bei fast 200 Ausstellern kann es ja mal passieren, dass man ein Label übersieht. Aber fremdformat lege ich dir sehr ans Herz <3

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