Slow Sunday: Fair Fashion-Lesestoff

Für diese Slow Sunday-Ausgabe stelle ich euch ausgewählt Bücher vor, den ich für den E-Guide #wardroberevolution geschrieben habe. Einige der Bücher habe ich bereits auf pink & green vorgestellt, aber oft müssen wir ja bekanntlich mehrmals mit Dingen in Berührung kommen, bevor sie uns in Erinnerung bleiben. Und über gute Bücher kann ich nicht oft genug sprechen.

Mode ist Lust. Inspiration. Luxus. Sie ist wie unsere zweite Haut. Mit Mode sprechen wir ohne Worte. Durch Mode kommunzieren wir – ob bewusst oder unbewusst – unsere Stimmung, unsere politische Haltung, unseren Status. Mode kann unseren Blickwinkel erweitern. Die folgenden Bücher tun genau das: Sie machen Lust und inspirieren, hinterfragen den Status Quo, verdeutlichen die Kraft von Mode und zeigen uns, wie wir diese für einen positiven Wandel nutzen können.

In ihrem Modeband »Fashion Made Fair« mit 200 großformatigen Farbabbildungen porträtieren die GREENshowroom-Gründerin Magdalena Schaffrin und Journalistin Ellen Köhrer 33 Modelabels- und Designer, die es mit Nachhaltigkeit Ernst meinen, konsequent in ihrem Handeln und dabei innovativ sind. Neben Branchenpionieren wie Patagonia, Bruno Pieters und Freitag gibt es auch einige Newcomer, darunter die Labels Kowtow, Folkdays und Reformation.
»Fashion Made Fair« ist ein wunderschön gestaltetes Coffee Table Book, das inspiriert, informiert und zeigt, dass auch eco-faire Mode nichts anderes als Mode ist und die nachhaltigen und sozialen Businessmodelle letztlich dazu dienen, ihre Geschichte besser zu erklären.

»FASHION MADE FAIR«
MAGDALENA SCHAFFRIN
ELLEN KÖHRER
PRESTEL VERLAG 2016
ISBN: 978-3-7913-8175-6

Emily Spivack lässt Kleidung sprechen. In ihrem Buch »Worn Stories« versammelt die New Yorker-Künstlerin Geschichten von berühmten und weniger berühmten Menschen, deren Kleider eine besondere Geschichte mit sich herumtragen. So erzählt die Schauspielerin und Drehbuchautorin Greta Gerwig von einem geheimnisvollen Männerhemd, das sie jedes Mal beim Schreiben ritualhaft überstreift. Die Performance-Künstlerin Marina Abramovic beschreibt, wie sie in einem Paar Wanderschuhe die chinesische Mauer entlanglief, um eine gescheiterte Beziehung zu verarbeiten. Und Jill Meisner, Enkelin des Designers Murray Meisner, der in den 70er Jahren arbeitende New Yorkerinnen einkleidete, durchsucht ebay und etsy nach den Vintage-Kleidern ihres Großvaters.

»WORN STORIES«
EMILY SPIVACK
PRINCETON ARCHITECTURAL
PRESS 2014
ISBN 978-1616892760

Genauso wie Mode Luxus evoziert und gleichzeitig vorgibt, demokratisch zu sein, so ist sie auch ein schmutziges Geschäft. Die britische Journalistin und Aktivistin Tansy E. Hoskins gewährt uns in »Das antikapitalistische Buch der Mode« einen Blick hinter die Kulissen, der zeigt, dass Mode als gesamtgesellschaftliches Phänomen auch für Körperwahn, Rassismus, Sexismus, soziale Ungerechtigkeit, Umweltverschmutzung und Kapitalismus steht. In ihrem Buch zerlegt sie das Geschäftsmodell Mode in seine einzelnen Bestandteile und geht zurück zu den Anfängen der maschinellen Innovation, um den gesellschaftlichen Ursprung von Fast Fashion zu erklären. Weiter beschreibt sie die sogenannte Demokratisierung der Mode, die proklamiert, dass sich jeder Mode leisten kann, in Wahrheit jedoch Gesellschaftsgruppen ausschließt und auf Ausbeutung fußt.
Ihre Thesen belegt Hoskins mit Studien und Zahlen, die allesamt verdeutlichen, dass die Modeindustrie genügend Mittel hat, um Lohnerhöhungen durchzusetzen und Umweltauflagen zu respektieren, diese aber schlicht umgeht, weil sie es kann. Wie weit die Unterdrückung in der Modeindustrie geht, erklärt Hoskins nicht zuletzt am Whitewashing-Phänomen in der Modelbranche, in der noch heute Zeitschriften und Werbung vermehrt auf weiße Models setzen. Tansy Hoskins plädiert für eine Moderevolution frei von Körperkult, Diskriminierung, Ausbeutung, Umweltzerstörung und Profitgier. Diese können wir nicht nur durch gesetzliche Regulierungen erreichen, sondern auch indem wir Mode wieder kollektiv betrachten und somit ihre Wertigkeit steigern. Denn erst wenn Mode nicht mehr anonym ist und wir die strikte Trennung von ProduzentIn und KonsumentIn auflösen, können wir die Schattenseiten des Systems überwinden. Ein clever und spannend geschriebenes Buch über Mode als kapitalistisches System!

»DAS ANTIKAPITALISTISCHE BUCH DER MODE«
TANSY E. HOSKINS
ROTPUNKTVERLAG (2016)
ISBN 978385869705

Noch mehr Lesetipps?

»TODSCHICK.
EDLE, LABELS, BILLIGE MODE – UNMENSCHLICH PRODUZIERT«
Gisela Burckhardt
Heyne Verlag (2014)
ISBN: 978-3-453-60322-6

»THREADBARE: CLOTHES, SEX AND TRAFFICKING«
Anne Elizabeth Moore
Microcosm Publishing (2016)
ISBN: 978-1-62106-739-9

»THE CURATED CLOSET:
A SIMPLE SYSTEM FOR DISCOVERING YOUR PERSONAL
STYLE AND BUILDING YOUR DREAM WARDROBE«
Anuschka Rees
Ten Speed Press (2016)
ISBN: 978-1-60774-948-6
oder auf Deutsch erhältlich im DuMont Verlag

»EINFACH LEBEN. DER GUIDE FÜR EINEN MINIMALISTISCHEN LEBENSSTIL«
Lina Jachmann
Knesebeck Verlag (2017)
ISBN: 978-3-95728-038-1

Randnotiz:

In Deutschland gibt es die gesetzlich geregelte Buchpreisbindung, sprich die Bücher in der großen Buchhandelskette haben denselben Preis wie die im kleinen Buchladen nebenan. Dies garantiert eine Wettbewerbsfähigkeit im Buchhandel und erlaubt auch kleinen, unabhängigen Buchhandlungen neben großen Konzernen wie Amazon zu bestehen. Der einzige Unterschied? Amazon verlangt höhere Rabatte von den Verlagen, die diese in Bedrängnis kommen lässt, insofern sie weiterhin bei Amazon lieferbar sein möchten. Darum eine Bitte: Wenn in eurer Nähe eine Buchhandlung ist, dann bestellt dort. Buchhandlungen können alle lieferbaren Bücher zum nächsten Werktag bestellen. Ihr habt damit keine Nachteile, sondern unterstützt so Unternehmen, für die Bücher in erster Linie Kulturgut und nicht ausschließlich Wirtschaftsware sind.

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