H&M Exclusive Conscious Collection: von Fast Fashion und Fast Blogging

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H&M bringt eine neue „Conscious Exclusive Collection“ auf den Markt. Ab dem 10. April ist es endlich soweit. In über 150 ausgewählten Stores erhältlich und online zu kaufen. Alles aus nachhaltigeren Stoffen. Diese Informationsstücke lassen sich seit letzter Woche auf unzähligen Modeblogs nachlesen. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich weiß nicht, was ich schlimmer finden soll: Die Tatsache, dass H&M seine Greenwashing-Methoden mittlerweile perfektioniert hat oder dass sich nahezu alle Artikel zu diesem Thema gleich anhören. Neben frappierenden syntaktischen Ähnlichkeiten, frage ich mich, wie es sein kann, dass derart viele Modeblogs den Inhalt der Pressemitteilung der schwedischen Fast Fashion-Kette vollkommen unreflektiert übernehmen. Ohne Frage, Pressemitteilungen sind druckfähige Informationen, die Journalisten das Schreiben erleichtern soll. Aber worin besteht der Mehrwert für den Leser, wenn der Autor ihm etwas vorsetzt, was er (im besten Fall) selbst nur zusammengebastelt hat? Meiner Meinung nach sollten Artikel über den bloßen Informationswert einer Pressemitteilung hinausgehen. Ich möchte nicht nur darüber lesen, wann und wo ich H&Ms „nachhaltigere Stoffe“ kaufen kann. Ich möchte wissen, wie H&M Nachhaltigkeit definiert. Was genau habe ich unter Bio-Seide zu verstehen? Sind die Stoffe zertifiziert? Und welche Aussagen macht H&M zu den Produktionsbedingungen seiner „Conscious (Exclusive) Collection“? Wo bleiben die Fragen???

Dieses Blog ist mit einem Artikel pro Woche sicherlich kein Paradebeispiel für effizientes Bloggen. Wenn Blogger hingegen bis zu fünf Artikel am Tag veröffentlichen, kann es sicherlich schon mal passieren, dass das Blog zum reinen Informationskanal verkommt. Aktualität und Schnelligkeit überwiegen, so dass der selbstständige Rechercheanteil oft auf der Strecke bleibt und die eigene Stimme im lauten Pressejargon verhallt. Wenn man mehrmals täglich auf „publish“ klickt, was passiert dann mit der Qualität? Am Ende wird das Netz durch kurze Artikel mit hohem Adjektivanteil, Ausrufezeichen und Kaufanimationen bereichert. Time is money. Der nächste Artikel ist schon in der Mache. Wie in der Mode wird auch in der Blogosphäre am Fließband gearbeitet. Fast Fashion? Fast Blogging!

Vermutlich sind es wirklich die Themen, die das Tempo eines Blogs mitbestimmen. Das Slow Fashion-Prinzip, wie es die britische Designaktivistin Kate Fletcher formuliert, deutet es schon an: Hier geht es um einen anderen Umgang mit Zeit. Das heißt nicht, dass man vier Tage die Woche nur Däumchen dreht, um dann am fünften Tag einen Artikel zu schreiben. Es bedeutet schlicht, sich mehr Zeit für Qualität zu nehmen. Denn Mode ist viel mehr als kurze Rand- und Tagesnotizen, die sich wie dpa-Meldungen lesen. Es geht um Inhalte und Geschichten, die über die Lookbook-Ästhetik hinausgehen. Im Gespräch mit treehugger sagt Kate Fletcher: “The single most important change is that people are actively talking about these issues and are beginning to ask questions about the goals and rules of the industry (…).”

Blogs sind Teil der öffentlichen Meinungsbildung. Als Blogger schulden wir es unseren Lesern (und letztlich auch uns selbst), nichtssagende Presseinformationen zu hinterfragen und genauer bei den Agenturen nachzuhaken. Egal, ob Fast Fashion oder Green Fashion.

5 Gedanken zu „H&M Exclusive Conscious Collection: von Fast Fashion und Fast Blogging“

    1. Liebe Nunu, so sollte es meiner Meinung nach sein. Und das H&M sich öffentlich hierzu äußert, zeigt, dass du wichtige Punkte angesprochen hast. In diesem Artikel hier beziehe ich mich auf konventionelle Modeblogs. Und dort findet leider keine kritische Auseinandersetzung mit der Conscious Collection statt. Jedenfalls habe ich keine gefunden. Liebe Grüße von Nina

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