Berlin Fashion Week Frühling/Sommer 17: Greenshowroom und Ethical Fashion Show Berlin

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Hinter mit liegt nun meine 7. Fashion Week. Und die beste. Das lag vor allen Dingen daran, dass die grüne Ausgabe der Fashion Week immer mehr an Zugkraft gewinnt. Und so startete ich in die Woche mit einem Fair Fashion-Bloggertreffen im Loveco, das Lisa von at least zusammen mit Shopinhaberin Christina organisiert hat. Es hätte keinen besseren Auftakt geben können. Endlich konnte ich einen Bruchteil nachhaltiger Modeblogger live und in Farbe kennenlernen, u.a. Vreni von Jäckle und Hösle, Marisa von Myfairladies und Bina von stryleTZ. Im GREENshowroom und auf der Ethical Fashion Show Berlin konnte ich dann keine fünf Schritte mehr gehen, ohne auf ein bekanntes Gesicht zu stoßen. Genau das hat die Fashion Week so schön gemacht: Zusammen ist man einfach besser. Und nach ein paar gemeinsamen Rundgängen und Prosecco habe ich mich sogar überzeugen lassen, mir endlich mal ein Instagram-Account zuzulegen. Falls ihr es noch nicht getan habt, dann schaut euch unbedingt die Blogs meiner Fair Fashion-Mitstreiter an (verlinkt in der Blogroll-Sidebar). Sie alle haben ganz wunderbare, individuelle Antworten darauf, wie wir als Konsumenten Mode besser machen können. Meine Lieblingsentdeckungen von den grünen Messen gibt es nach dem Klick.

Die neue Lovjoi-Kollektion hat sich vom griechischen Sommer inspirieren lassen. Verena und Louisa von Lovjoi waren in den letzte Monaten selbst mehrmals in Griechenland, um die Familie ihres Mitarbeiters, der aus Syrien geflüchtet ist und nun als Näher bei Lovjoi arbeitet, nach Deutschland zu holen. Was sie dabei erlebt haben, überschattet alles, was ich bisher in den Nachrichten gesehen habe. Umso bewundernswerter finde ich es, dass sich Lovjoi bei all dem Leid und der Unmenschlichkeit auf das Positive fokussieren. Die Greece-Kollektion besinnt sich auf die Schönheit der griechischen Natur. Entstanden sind 40 Teile aus Bio-Baumwolle, Canvas, Oxford und Lyocell. Mit jeder Kollektion setzt Lovjoi zudem auf ein neues Material. Mit dem Einsatz der Ramiefaser gelingt dem Label damit eine Innovation im Fair Fashion-Segment. Ramie ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt und gehört zu den Bastfasern. Die atmungsaktive Faser hat einen seidigen Glanz, trägt sich ähnlich wie Leinen, ist aber strapazierfähiger. Von den positiven Eigenschaften der Pflanze habe ich schon vor Jahren gehört, durch ihre aufwendige Verarbeitung wird sie aber kaum verwendet. Zu meinen Greece-Lieblingsteilen gehören definitiv das blaue Top aus Ramie, das schwarze Lyocell-Kleid und das hellblaue Blusenkleid aus GOTS-Baumwolle. Do you feel the LOV?

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Die innovativste Kollektion kommt von Ina Budde, die in Zusammenarbeit mit Jan ’n June eine kreislauffähige Kollektion entworfen hat. Seit ich auf der letzten Fashion Week einen Vortrag über Lebenszyklen in der Mode besucht habe, bin ich auf der Suche nach Modelabels, die sich diesem Modell annehmen. Meistens landet man dann bei Sportlabels, wie Trigema. Auch Puma hatte mal eine cradle-to-cradle-Kollektion. Umso größer war meine Freude, dass Jan ’n June dieses Experiment eingegangen ist. Die Design for Circularity-Kollektion ist einfach überwältigend! Alle Materialien sind aus recycelbaren oder biologisch abbaubaren Stoffen, so dass keine neuen Ressourcen benötigt werden. Alle Fasern können nach Ende der Lebenszeit sauber voneinander getrennt werden, so dass keine giftigen Stoffe aus dem Kreislauf in die Umwelt gelangen (das hat Ina in ihrer Küche selbst ausprobiert). Beim zirkulären Design wird auch darauf geachtet, dass alle Teile entweder multifunktional (Trenchcoat wird Kleid wird Weste) oder extrem gut kombinierbar sind. Außerdem kann der Konsument entscheiden, ob er lieber kaufen oder leasen möchte. Und wenn das Teil dann seine Dienste erfüllt hat, einfach den QR-Code im Etikett einscannen und per Klick zurück in den Kreislauf führen lassen. So kann das Kleidungsstück je nach Qualität noch weiterleben (per Leasing) oder in anderer Form in den Kreislauf zurückgeführt werden (per Recycling). Das dichte Infrastrukturnetz aus Stofflieferant, Designer, Modelabel, Handel, Kunde und Recycler sorgt dafür, dass ein Kleidungsstück einen langen Lebenszyklus hat. Das ist meine ultimative Definition von nachhaltiger Mode! Die DfC x JNJ-Kollektion wird dann exklusiv über den Online-Shop von Jan ’n June verkauft, ausleihen kann man via Kleiderei.

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Neben der Kreislauf-Kollektion konnte man Anna und Jula von Jan ’n June im GREENshowroom auch mit ihrer Frühjahrs-/Sommerkollektion 2017 antreffen. Für Static Flow haben sie Leinen, Hampf, Bio-Baumwolle, Lyocell und recyceltes Polyamid verwendet. Farblich setzen sie neben Schwarz, Weiß und Navy auf Himmelblau, Pfirsich und Erdtöne. In der Kollektion finden sich u.a. wendbare Kleider (hier gibt es kein vorne und hinten mehr), Röcke im 70er Jahre-Style, kurzärmelige Hemdkleider, Spaghettiträgerkleider und weite Hosen (#byebyeskinnyjeans). Was soll ich sagen? Ladies, ihr macht das ganz wundervoll. Ich bin gespannt, was ihr noch alles bewegen werdet.

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Die Skandinavier wissen einfach, wie es geht. Das finnische Frauen- und Kindermodelabel Muka Va trumpfte im GREENshowroom nicht nur mit einer wunderschönen Kollektion auf (Streifen treffen auf Makramé-Blumentopf-Print), sondern designen und produzieren auch alles in Finnland und tragen so dazu bei, der finnischen Produktion neuen Auftrieb zu verleihen. Die Materialien setzen sich aus Bio-Baumwolle, Seide und Hampf zusammen. Ich hoffe inständig, dass nach Phasenreich noch weitere deutsche Shops auf Muka Va aufmerksam werden.

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Um es in Blogger-Lingo zu sagen: Ich bin schockverliebt. Die cleane Formsprache des Schweizer Labels Jungle Folk überzeugt mich bis in kleinste Detail. Dazu gehören fließende Kimonos, geraffte Shorts, Kleider mit Schnürungen sowie Hemden und Jumpsuits mit Holzknöpfen. Auch die Philosophie des Labels gefällt mir: Bei Jungle Folk gibt es sukzessive Kollektionen, die unabhängig von Saisons und Trenddiktaten entstehen. Um Überproduktion zu vermeiden, wird in geringer Anzahl produziert. Jungle Folk arbeitet mit kolumbianischen Näherinnen zusammen, die durch den direkten Hanel fair entlohnt werden. Die verwendeten Stoffe sind Bio-Baumwolle, Leinen, Seide, Wolle sowie recycelte und natürliche Materialien für die Accessoires-Linie.

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Als Upcycling-Fan bin ich naturgemäß auch von Verena Belluttis Designkonzept begeistert. Die Österreicherin entwickelt aus dem Planenüberschuss, der in dem Unternehmen ihres Vaters anfällt, handgefertigte Accessoires. Das schiere Volumen des Planenverschnitts lässt sich beim Blick auf die Produktvielfalt nur erahnen: Das Sortiment umfasst u.a. Tablet- und Laptoptaschen, Kulturbeutel, Clutches, Hand- und Beuteltaschen sowie Weekender. Der Lagerbestand variiert natürlich abhängig vom Planenverschnitt. Jedes Teil ist ein Unikat, vegan, und handgearbeitet.

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Puristische und feminine Lingerie für Frauen mit kleinen Brüsten bietet das deutsche Label AIKYOU. Alle Modelle kommen ohne lästige Push-ups, Bügel oder Stützstäbchen aus, sind weich, dehnbar und passen sich dem Körper an. Der japanische Frauenname Aikyou bedeutet übrigens „Liebreiz, Liebe und Respekt“. Bei AIKYOU gilt dies nicht nur gegenüber dem eigenen Körper, sondern auch gegenübern Arbeitern und Umwelt. Dabei achtet das Unternehmen auf zertifizierte Materialien und Transparenz in der Produktionskette.

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Und zu guter letzt noch ein Schuh-Trendreport. Wie ihr vielleicht wisst, hadere ich noch mit dem veganen Angebot an nachhaltigen und fairen Schuhen. Was ist die Alternative zu Mikroplastik? Das portugiesische Schuhlabel Nae entwirft vegane Schuhe mit ökologischem Fußabdruck. Neben Schuhen aus recycelten PET-Flaschen bietet man nun auch Ananasleder und Kork an. Auch wenn ich Ananasleder vom Innovationsgrad her wertschätze, so überzeugt mich hier die ästhetische Umsetzung noch nicht. Die Korkschuhe hingegen finde ich auch von der Designsprache her absolut gelungen. Was meint ihr? Übrigens entwickelt das Noveaux Magazin gemeinsam mit Vreni von Jäckle und Hösle eine App, die die vegane und faire Schuhsuche erleichtern soll. Das Ganze nennt sich „Same same but nicer“. Eine tolle Idee, auf deren Umsetzung ich sehr gespannt bin.

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2 Gedanken zu „Berlin Fashion Week Frühling/Sommer 17: Greenshowroom und Ethical Fashion Show Berlin“

  1. Ha, hab grad beim recherchieren den Artikel hier von dir entdeckt – danke, für’s Nochmals–Mitnehmen, Esther und ich konnten im vergangenen Sommer ja leider nicht dabei sein! <3 Jetzt freu ich mich doppelt auf die neue Saison…

    Slow Fashion Gruß, nun wieder aus Hamburg.
    Und hoffentlich auf Bald einmal wieder! 🙂 Anna

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